KOLUMNE Montag, 18. August 2025
Es sind Zeiten, in denen große Produktionen wie z. B. Star Wars Outlaws hunderte Millionen verschlingen und zum finanziellen Fiasko führen. Zeiten, in denen Produkte unbedingt in irgendein Franchise gedrückt werden müssen – am besten in belanglosen Marvel-Dreck. Zeiten, in denen jeder Anbieter auf dem Entertainment-Markt versucht, die Konsumenten stundenlang vor das jeweilige Medium zu fesseln. Getreu dem kapitalistischen Motto: Alles muss wachsen, alles muss größer werden.
Jüngstes Beispiel: Silent Hill 2 Remake. Dort musste man unbedingt noch 5–10 Stunden Spielzeit auf das Original draufpacken. (Übrigens: Lest Styrkjars Review auf dieser Seite – absolut auf den Punkt!) Die Umsätze und Gewinne sprudeln, aber es ist nie genug. Parallel werden tausende Menschen entlassen, nur um den Stakeholdern zu signalisieren, dass noch mehr aus den Aktien herauszuquetschen ist. Mobile- oder Service-Games bauen Sportspiele um Glücksspielmechaniken herum und verkaufen sie als Basketball- oder Fußballspiele an Kinder. Nicht Spielmechaniken oder Spielspaß zählen – jeder Cent zählt. Und ist die große Cash Cow erst gefunden, war es das meist mit dem Ideal, schöne Games für Gamer zu entwickeln. Gell, Herr Newell?
Und GTA 6 wird das alles noch einmal komplett verschieben, weil sämtliche Controller, Vorstände und CEOs feuchte Höschen bekommen werden, wenn sie die Umsätze und Gewinne von Rockstar sehen.
Und dann kommt genau so ein Casinobetreiber… ich meine Publisher … um die Ecke und gibt uns Mafia – The Old Country. Ein Spiel wie früher. Ein Game mit Fokus auf Immersion und Geschichte. Eine Reise über 10 Stunden, bei der jeder Weg Sinn ergibt, ohne Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Keine Grafik oder Gameplay-Elemente, die um eine Verkaufsmechanik herumgebaut sind. Lootboxen gibt es nur, wenn ich meine Opfer in-game in eine Kiste verstaue.
Und das alles für ca. läppische 97.000 italienische Lira (50 €).
Wie zur Hölle ist das passiert? Waren die Controller der Firma auf Ibiza im Urlaub und nach lauter Skiressort-Eskapaden noch nicht zurück am Arbeitsplatz?
Dasselbe gilt für RoboCop – Rogue City oder Blades of Fire. Der Markt würde sagen: AA-Produktionen sind wieder angesagt bei den Stakeholdern. Die Angst vor Verlusten hat die Gier nach immer weiterem Wachstum überholt – und beschert uns Spieleperlen, wie wir sie nur aus Zeiten bis zur PS3 kennen. Ich liebe es – und ich scheine nicht der Einzige mit diesen Empfindungen zu sein.
Das Spiel, das nur Umsatz macht, wenn es jemand kauft (Achtung! Gerade stirbt ein Controller in einer US-Firma), scheint erfolgreich zu sein. Auch ich habe direkt Vollpreis bezahlt – in der Hoffnung, dass es Schule macht.
Wir leben in großartigen Spielezeiten: Neben dem Indie- und Retro-Markt kehren nun auch die AA-Spiele mit ihren immersiven Welten zurück. Ein Hoch auf den globalen Markt!
Spiele:
Mafia – The Old Country
RoboCop-Rogue City
Blades of Fire
Weitere Eindrücke, dass sich gerade etwas auf dem Videospielmarkt ändert findet Ihr auch bei den Profis:
Eurogamer.de
Decode
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